Erst lachen, dann ärgern? Warum 60 Sekunden einen Unterschied machen können
Kennst du diese Gespräche, die nur in deinem Kopf stattfinden?
Jemand hat etwas gesagt oder geschrieben, du ärgerst dich – und Stunden später führst du immer noch die perfekte Antwort aus, die dir natürlich erst hinterher eingefallen ist.
Ich kenne das ziemlich gut.
Das Problem dabei: Je länger ich über meinen Ärger nachdenke, desto größer wird er manchmal.
Bei Vera F. Birkenbihl bin ich auf eine ungewöhnliche Idee gestoßen, die genau hier ansetzt:
60 Sekunden lachen. Gerade dann, wenn einem überhaupt nicht danach ist.
Erst den Zustand verändern
Der Gedanke dahinter gefällt mir besonders:
Wenn ich richtig wütend bin, versuche ich normalerweise sofort, das Problem zu lösen. Ich analysiere, argumentiere und überlege, was ich tun soll.
Nur tue ich all das ausgerechnet in einem Zustand, in dem ich gerade ziemlich aufgebracht bin.
Warum also nicht einmal die Reihenfolge ändern?
Erst den eigenen Zustand verändern. Dann noch einmal auf die Situation schauen.
Lachen kann unsere körperliche Stressreaktion beeinflussen. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich ein echtes Problem dadurch in Luft auflöst.
Aber vielleicht verändert sich der Blick darauf.
Eine ziemlich radikale Frage
Birkenbihl verbindet ihre Lachübung mit einer Frage:
Wenn ich nur noch sechs Wochen zu leben hätte – würde ich mich darüber noch genauso aufregen?
Vielleicht lautet die Antwort Ja.
Dann steckt möglicherweise etwas dahinter, das wirklich wichtig ist: Eine Grenze wurde überschritten oder etwas muss geklärt werden.
Aber manchmal merke ich auch:
Nein. Eigentlich möchte ich diesem Ärger nicht noch weitere Stunden meines Tages schenken.
Und damit verändert sich die eigentliche Frage.
Nicht mehr:
Darf ich mich darüber ärgern?
Sondern:
Wie viel meiner Lebenszeit möchte ich diesem Ärger geben?
Lachen üben, bevor man es braucht
Zugegeben: Ausgerechnet dann 60 Sekunden zu lachen, wenn man gerade richtig wütend ist, ist gar nicht so einfach.
Deshalb gefällt mir Birkenbihls Idee, schon im Alltag damit zu spielen.
Du stehst an einer roten Ampel und wirst ungeduldig?
Lächle.
Das Telefon klingelt?
Lächle, bevor du abhebst. Schon dadurch kann sich deine Stimme verändern – und vielleicht beginnt auch das Gespräch anders.
Du schaust morgens in den Spiegel?
Warum dich nicht einmal selbst angrinsen?
Nicht als weitere Pflicht auf der To-do-Liste und auch nicht, weil wir ab jetzt alles positiv finden müssen.
Sondern als kleines Experiment:
Ich warte nicht darauf, dass sich meine Stimmung verändert. Ich gebe selbst einen Impuls.
Ärger darf trotzdem da sein. Er kann schließlich eine wichtige Botschaft enthalten.
Nur muss ich vielleicht nicht ausgerechnet auf dem Höhepunkt meines Ärgers entscheiden, was ich damit mache.
Manchmal helfen schon 60 ziemlich alberne Sekunden, um wieder ein bisschen Abstand zu bekommen.
Und danach kann ich immer noch entscheiden.
🎙️ In der aktuellen Folge meines Podcasts „Klarheitskompass“ erzähle ich dir genauer von Vera F. Birkenbihls ungewöhnlicher 60-Sekunden-Methode.