Der mentale Spiegel

Manchmal können wir eine Situation nicht einfach verlassen.

Ein Gespräch wird zunehmend anstrengend. In einer Menschenmenge wird uns plötzlich alles zu viel. Oder jemand beschäftigt uns noch lange, obwohl die Person längst nicht mehr da ist.

Was tun, wenn wir genau in diesem Moment ein bisschen Abstand brauchen?

Ich nutze dafür gelegentlich eine sehr einfache Visualisierung: den mentalen Spiegel.

Ein Spiegel zwischen dir und dem Außen

Stell dir vor, zwischen dir und deinem Gegenüber steht ein großer Spiegel.

Die Spiegelfläche zeigt nach außen, du selbst siehst nur die Rückseite.

Mehr musst du gar nicht tun.

Bei einer größeren Gruppe oder Menschenmenge kannst du dir auch mehrere Spiegel um dich herum vorstellen – wieder mit den Spiegelflächen nach außen.

Für mich erzeugt allein diese Vorstellung einen inneren Abstand. Ich bin noch in derselben Situation, aber fühle mich ihr weniger ausgeliefert.

Und genau deshalb betrachte ich den mentalen Spiegel als Akutmaßnahme, nicht als Dauerlösung.

Denn eigentlich beginnt die spannendere Frage erst danach.

Gibt es wirklich „Energieräuber“?

Früher habe auch ich diesen Begriff verwendet:

„Dieser Mensch raubt mir Energie.“

Heute sehe ich ihn kritisch.

Denn damit gebe ich einem anderen Menschen sehr viel Macht über meinen eigenen Zustand.

Ich finde eine andere Frage inzwischen hilfreicher:

Was genau kostet mich in dieser Situation so viel Kraft?

Ist es wirklich die Person?

Ist es das Gesprächsthema?

Die Umgebung?

Wurde gerade eine meiner Grenzen überschritten?

Oder bin ich heute ohnehin erschöpft und kann deshalb weniger aufnehmen als sonst?

Das bedeutet keineswegs, dass wir uns alles gefallen lassen sollen. Im Gegenteil.

Aber zwischen

„Du raubst mir meine Energie.“

und

„Diese Situation kostet mich gerade unglaublich viel Kraft.“

liegt für mich ein entscheidender Unterschied.

Mit dem zweiten Satz kann ich etwas anfangen.

Vielleicht brauchst du gar keinen stärkeren Spiegel

Wenn du bemerkst, dass du bei derselben Person, demselben Thema oder in einer bestimmten Umgebung immer wieder innerlich einen Schutzwall brauchst, lohnt sich deshalb ein genauerer Blick.

Nicht:

Wie kann ich mich noch besser abschirmen?

Sondern:

Warum brauche ich hier eigentlich so viel Abstand?

Vielleicht möchtest du ein Gespräch früher beenden.

Vielleicht ist eine Grenze notwendig.

Vielleicht entspricht dir eine bestimmte Umgebung schlicht nicht.

Und manchmal kannst du eine Situation gerade tatsächlich nicht verändern. Auch das gehört zum Leben.

Genau dann kann ein inneres Bild wie der mentale Spiegel helfen, den Moment besser zu bewältigen.

Aber danach darf die eigentliche Frage kommen:

Was zeigt mir diese Situation über mich und darüber, was mir guttut?

Denn manchmal erkennen wir erstaunlich deutlich, was uns entspricht, indem wir erleben, was uns nicht entspricht.

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Probier es aus

Wenn du das nächste Mal merkst, dass du dringend etwas inneren Abstand brauchst, stell dir für einen Moment einen Spiegel zwischen dir und die Situation.

Spiegelfläche nach außen.

Du siehst nur die Rückseite.

Und dann beobachte einfach, ob sich etwas verändert.

Nicht mit dem Anspruch, dass der Spiegel dein Problem löst.

Sondern als kleines Werkzeug, das dir vielleicht genug Abstand verschafft, um wieder klarer wahrzunehmen:

Was passiert hier gerade mit mir – und was brauche ich eigentlich?

🎙️ Die persönliche Geschichte hinter dieser Technik erzähle ich in der aktuellen Folge meines Podcasts „Klarheitskompass“. Dort erfährst du auch, in welcher Situation ich den mentalen Spiegel selbst sehr intensiv eingesetzt habe – und warum ich anschließend erkannt habe, dass Abschirmung für mich keine Dauerlösung sein kann.

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Was brauchst du eigentlich, damit Arbeit sich gut anfühlt?

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