Nicht wollen ist auch Klarheit
Wie oft hast du dir schon die Frage gestellt:
„Was will ich eigentlich?“
Mir ging es lange genauso. Vor allem beruflich fiel es mir unglaublich schwer, darauf eine ehrliche Antwort zu finden. Es gab viele Möglichkeiten, unzählige Ideen – und mindestens genauso viele Zweifel.
Rückblickend ist mir jedoch etwas aufgefallen:
Ich wusste zwar oft nicht, was ich wollte, aber ich wusste erstaunlich genau, was ich nicht mehr wollte.
Ich wollte keine Arbeit, die mich dauerhaft erschöpft.
Ich wollte keine Tätigkeit, die sich sinnlos anfühlte.
Und ich wollte nicht jeden Montag darauf hoffen, dass möglichst schnell wieder Freitag wird.
Damals hielt ich diese Gedanken allerdings für wenig hilfreich. Schließlich hört man überall, wie wichtig Ziele sind. Man soll wissen, was man will, sich klar entscheiden und den eigenen Weg verfolgen.
Natürlich haben Ziele ihren Wert. Sie geben Orientierung und helfen dabei, Entscheidungen zu treffen.
Doch manchmal setzen wir uns Ziele, die vernünftig erscheinen – aber gar nicht zu uns passen.
Eine überraschend einfache Übung
Vor einiger Zeit bin ich auf eine Idee von Thomas Brezina gestoßen, die mir sofort gefallen hat.
Er schreibt sinngemäß:
Wenn du nicht weißt, was du willst, schreibe zuerst alles auf, was du nicht willst. Formuliere anschließend jeden Punkt ins Positive – und plötzlich entsteht ein klares Bild.
Genau das macht diese Übung so hilfreich.
Nimm ein Blatt Papier und teile es in zwei Spalten.
Links
Schreibe alles auf, was du nicht möchtest.
Zum Beispiel:
keine ständigen Überstunden
kein schlechtes Arbeitsklima
keine sinnlose Tätigkeit
keine permanente Erreichbarkeit
keine Angst vor Montag
Rechts
Nun formulierst du jeden Punkt positiv.
Aus:
„Ich möchte keine ständigen Überstunden.“
wird:
„Ich wünsche mir genügend Zeit für mein Privatleben.“
Aus:
„Ich möchte keine Arbeit ohne Sinn.“
wird:
„Ich möchte mit meiner Arbeit etwas Wertvolles beitragen.“
Plötzlich verändert sich der Blick.
Du schaust nicht mehr nur auf das, wovor du weglaufen möchtest, sondern auf das, worauf du dich zubewegst.
Klarheit beginnt oft mit einem Nein
Diese Übung erinnert zwar an die Kopfstand-Methode, über die ich bereits in einer anderen Podcast-Folge gesprochen habe. Der Unterschied ist jedoch entscheidend.
Die Kopfstand-Methode hilft dabei, ein konkretes Problem zu lösen.
Die WILL-NICHT-Liste hilft dir, dich selbst besser kennenzulernen.
Und genau darin liegt ihre Stärke.
Ich glaube heute, dass Klarheit nur selten mit einer perfekten Antwort beginnt.
Viel häufiger entsteht sie durch viele kleine, ehrliche Antworten.
Vielleicht musst du dein großes Lebensziel gar nicht sofort kennen.
Vielleicht genügt es für den Anfang, aufzuschreiben, was du nicht mehr möchtest.
Denn manchmal beginnt genau dort der richtige Weg.
🎧 Hier geht's zur Podcast-Folge: Nicht wollen ist Klarheit